Zement
Obwohl der Name Zement auf den lateinischen Begrif, caementium, Bruchstein, zurückgeht, ist Zement ein neuzeitlicher Baustoff. Der Grundstoff ist ein tonhaltiger Kalkstein, dessen Hydrauleanteil bei über 20 Prozent liegt. Als Hydraulefaktoren gelten Siliciumdioxid, Aluminumoxid und Eisenoxid, die im Ton enthalten sind.
Die Rohstoffe werden zunächst gemischt und feingemahlen. Anschliessend wird das Rohmehl in einem Drehrohrofen gebrannt, wobei die Temperatur ständig auf bis zu 1450°C erhöht wird. Dabei entsteht zunächst Branntkalk, CaO, der sich in einer zweiten Pahse mit den Hydraulefaktoren aus dem Ton verbindet und zu Zementklinker wird. Dieser wird erneut gemahlen. Während des Mahlens wird ein geringer Anteil Gipsstein oder Anhydrit hinzugefügt, um ein Erstarren zu verhindern.
Je nach Lesart wird die Erfindung des Zements entweder dem Franzosen Louis Joseph Vicat oder dem Engländer Joseph Aspdin zugeschrieben.
Zunächst war es der Engländer John Smeaton, der um die Mitte des 18. Jahrhunderts nach einem Material suchte, das unter Wasser abband. Dabei erkannter er, dass Kalkmörtel, der aus einem verunreinigten Kalkstein hergestellt wurde, von sich aus hydraulisch abband.
1824 erkannte der englische Maurermeister John Aspdin, dass Kalkmörtel, der aus Kalkstein, der mit einem Lehmgemisch gebrannt wurde, wesentlich stärker erhärtete, als Kalkstein, der ohne ein solches Gemisch gebrannt wurde. Er nannte sein Produkt, wofür er 1824 ein Patent erhielt, in Anlehnung an die Herkunft der Steine von der Insel Portland, Portland-Zement.
Schliesslich war es der französische Hochbauingenieur Louis Joseph Vicat, der einen dauerhaften Zementmörtel herstellte, indem er Kalkpuder mit Ton vermischte. Wie auf der Firmenwebseite der gleichnahmigen Gruppe zu lesen ist, weigerte sich Vicat jedoch, ein Patent auf seinem Produkt anzumelden, was Aspin dann einige Jahre später tat.
Je nachdem, ob die hydraulischen Element bereits im Grundprodukt vorhanden sind oder während des Herstellungsverfahrens hinzugefügt wurden, unterscheidet man zwischen natürlichem und künstlichem Zement.
Zement wurde zunächst vor allem für grösserer Bauvorhaben verwendet. Zu seinen unbestreitbaren Vorzügen gehören u.a. sein schneller Abbindeprozess, seine grosse Tragfestigkeit die und nahezu unendliche Formbarkeit. Nach dem zweiten Welkrieg verbreitete sich seine Anwendung rasant, wobei Kalkmörtel nach und nach verdängt wurde.
In Frankreich wird Zement seit 1850 hergestellt. Laut Coignet und Coignet entwickelte sich dessen Verwendung zunächst nur zögerlich, was mitunter auch auf den höheren Preis zurückzuführen ist. Eine wesentliche Wende kam mit der Erfindung von Stahlbeton, der den Bau von Bauteilen mit grosser Tragweite ermöglichte. Der wirkliche Durchbruch kam erst nach dem zweiten Weltkrieg, als im Rahmen des Verstädterungsprozesses und des Wiederaufbaus schnell und massiv neuer Wohnraum geschaffen werden musste. Schliesslich verdrängte der Zement den Kalk.
In Luxemburg enstand die erste Zementfabrik 1894 in Rümelingen. Sie stellte Porland-Zement und Portland-Eisen her.[3] Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert gab es in Luxemburg ca. ein Dutzend Zementfabriken.[4] Heute besteht lediglich die Firma Cimalux, die aus der Fusion zweier Unternehmen hervorging.[5]
Im klassischen Bereich der Denkmalpflege gilt Zement aufgrund seiner chemischen und pysikalischen Eigenschaften eher als Schadensfaktor. Aufgrund seines hohen Alkalianteils kann es zu Zerstörungen des Steins kommen.[6] Mit Zement verfugte Kalksteine drohen aufgrund der Verwitterungsprozesse auszuwaschen.


